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Diskussion
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vkdherzhaft Narzissen erblühen in gigantischen Feldern auf den Massergräbern von Auschwitz Nur vordergründig geht es um den Machtkampf innerhalb der FDP und die Frage der Mobiliserung bestimmter Wählerschichten. In Wahrheit geht es um das Einfühlungsvermögen einer ganzen Generation. Dass Stimmen lauter werden, welche fordern, die Last der deutschen Geschichte nicht weiter zu tragen, ist individuell verständlich. Das Argument: "Was habe ich mit den Verbrechen meiner Großväter zu tun, warum soll ich darunter leiden?" mag aus der Sicht eines jungen Menschen heuzutage durchaus nachvollziehbar sein. Aber solch individuelles Gerechtigkeitsempfinden ist nicht alles, ist nur ein Teil der Wahrheit. Jedes Individuum ist auch Teil einer sozialen Gemeinschaft, ob es sich dessen bewusst ist oder nicht. Ein Merkmal der Phylogenese ist das kollektive Gedächtnis der Menschheit. Derjenige Teil dieses kollektiven Gedächtnisses, der in der jüdischen Tradition beheimatet ist, besitzt, ob es uns genehm ist oder nicht, verständlicherweise äußerst empfindliche Antennen. Verbitterung, Wut, Hass und vor allem viele Befürchtungen und Ängste sind hier eingeprägt aufgrund der Greuel des 1000jährigen Reichs. Wir können noch so sehr wünschen, dass diese Erinnerungen im kollektiven Gedächtnis des jüdischen Volks verblassen oder verschwinden, dass diese Gefühle weg sein sollen, und wir können darüber klagen, fluchen, schimpfen, in extremen Fällen sogar die ganze Geschichte verleugnen ... die Wahrheit ist, damit werden Erinnerungen nicht zum Verschwinden gebracht, sondern aktualisiert. Was mir auffällt, ist der erschreckende Mangel an Einfühlungsvermögen in diese und andere seelische Befindlichkeiten einer ganzen Kultur, der diese junge Politikergeneration auszeichnet, von der hier die Rede ist. Diese Möllemanns und Westerwelles, sie agieren in einer eindrucksvoll narzisstischen Weise: sie nehmen nur sich selbst, die opake Oberfläche ihres eigenen inszenierten Selbstsystems wahr, und sie argumentieren schlangengleich, damit auch alles schön strahlt und glänzt. Einfühlungsvermögen in Befindlichkeiten anderer: Fehlanzeige. Alles für die eigene Machtposition und die Ehre: Genau darum geht's. Vorwärts und Vergessen. Ausblenden, abspalten. Narzissen erblühen in gigantischen Feldern auf den Massergräbern von Auschwitz. Gefühle wie Ängste, Befürchungen, Misstrauen, vielleicht auch Panik und eine Prise Paranoia haben keinen Platz, werden nicht kommuniziert, soweit ich sehe, von keiner Seite. Solange Politiker nicht lernen, auch über Gefühle zu kommunizieren, über das Abgespaltene im Anderen, wird das Unheil nicht geringer. Doch zurück zum Thema des Antisemitismus. Deutsche können den Menschen jüdischen Glaubens vorwerfen, sie seien zu empfindlich (weil sie selbst so gerne unempfindlich sind), sie würden alles dramatisieren (weil sie so furchtbar nüchtern und pragmatisch sind), sie würden alle Fäden ziehen (weil sie so auffällig unpretentiös sind, was politische Macht betrifft) usw. usf., diese Analysen, Kritiken, Argumente können noch so politisch brillant und gut vorbereitet sein ... sie werden keinem Juden in Deutschland ihre Befürchtungen nehmen, sondern diese eher verstärken. Auf der Ebene der Argumentationen werden wir nichts, aber auch gar nichts verändern. Wir haben aber auch die Chance, so zu handeln, dass jüdische Menschen eine sozialen Realität in Deutschland erleben, in der sie sicher sind und keine Angst zu haben brauchen vor einer Wiederholung des Horrors. Ich halte es für lohnenswerter, für ein solches Ziel zu arbeiten. Auch wenn die Ereignisse der letzten Wochen uns hier nach hinten geworfen haben.
Sicher fallen Ihnen, lieber Leser, auch noch ein paar Fragen ein, die man stellen könnte. Oder Sie erheben ihre Stimme im Widerspruch. Wie auch immer, schreiben Sie uns, auch im Diskussionsforum ist Gelegenheit dazu.
Ältere Kommentare von vkdherzhaft finden Sie im vkdnet. Der Link führt Sie direkt dorthin. Imitation und Einfühlung. Anmerkung zu Diagnostik und Therapie. Spießrutenlauf im kindlichen Familienerleben. Gewalt gegen Kinder in Deutschland. Geschwister im Kniefall. Zur jüngsten Hellinger-Recherche des Politimagazins Der Spiegel' Die Maske ist heilig. Notiz zu einer modernen Sprach-verwirrung. Ritalin in den Köpfen. Über den Zerfall von Körper und Geist an der deutschen Schule Mein Therapeut in der Glotze ... Anmerkungen zur Medienpräsenz der Körper(psycho)therapie Der Narzisst als Nation. Anmerkungen zur Selbstbeziehung Amerikas Vom Einfahren der U-Bahn in den Mutterleib. Kein Lärmschutz für Ultraschall bei Föten?
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