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ANDREAS WEHOWSKY
Zur Selbstverständlichkeit der
Körperpsychotherapie
Zusammenfassung:
Der Artikel versucht, die Gültigkeit der Körperpsychotherapie
als eine Hauptströmung der Psychotherapie deutlich zu machen, in
Abgrenzung zu bloß gelegentlichen Berücksichtigungen des Körpers
in einigen Psychotherapien. Ein kurzer historischer Abriß des Verhältnisses
zum Körper in der westlichen Kultur soll zeigen, wie die Ambilvalenz
gegenüber dem Körper auch in der Psychotherapie noch als Mißtrauen
gegenüber der somatischen Arbeit und als Dominanz sprachlich-symbolischer
Arbeit fortbesteht. Demgegenüber haben die Körperpsychotherapien
ein umfangreiches diagnostisches und strategisches Verständnis somatischer
Prozesse entwickelt, das in einigen zentralen Begriffen beschrieben wird.
Die abschließende Beschreibung einer Sitzung illustriert die Möglichkeiten
körperpsychotherapeutischer Arbeit.
Einführung - Wozu überhaupt Körper?
Während das Informationszeitalter neue Schübe der Loslösung
der Kommunikation vom Körper ermöglicht, siehe Internet als
entkörperter Informationsdschungel, schleppen wir Therapeuten uns
nach wie vor körperlich zu unseren Therapien und sprechen eines Tages
davon, daß eben diese Körper, und wir in ihnen, nun ausgebrannt
seien. Was haben wir nur mit ihnen gemacht, daß diese Träger
von Lebendigkeit sich vorzeitig in Asche umzuwandeln scheinen? Was spräche
eigentlich dagegen, Psychotherapie via Internet vom Urlaubsort aus zu
betreiben? Tastatur, Maus, Internet-Telefon und Videokamera würden
uns ermöglichen, uns endlich zu erholen und wieder saftig zu fühlen.
Telefonseelsorge funktioniert ja schließlich auch.
Die Vorstellung rüttelt natürlich an einem stillschweigenden
Übereinkommen: körperliche Anwesenheit scheint einen besonderen
Wert zu besitzen. Sie in Frage zu stellen, insbesondere in der Therapie,
wäre wohl ein Anschlag auf Menschlichkeit. Aber wie anwesend sind
wir denn nun eigentlich mit unseren Körpern, in der Therapie? Zu
den Emblemen eines gediegenen Praxisraumes zählen in der Regel Sessel,
zwischen Ikea oder teurer, von einer manchmal depressiven Bequemlichkeit,
aus denen man erst am Ende der Stunde wieder herausfindet.
Fortschrittlichere, die Couch noch weiter hinter sich lassend, können
sich auch in Form von Familien-Aufstellungen im Raum positionieren. Ja,
wir haben gelernt mit Kontakt zu arbeiten, mit Interaktion, mit non-verbalen
Signalen, mit dramatisierenden Darstellungen, mit feinfühligem Hineinspüren
in uns - und wer wollte schon zurück zu den Reichianisch-Dionysischen
Olympiaden früherer Zeiten? Wozu Körperpsychotherapie, nachdem
doch viele Therapien immerhin dabei sind, ihn als Appendix der Psyche
und als Kodierungssystem von Bedeutungen wahrzunehmen und hier und da,
körperorientiert, zu aktivieren? Wozu? ... weil die Tradition der
Körperpsychotherapie ein Verständnis von Verkörperung hervorgebracht
hat, das die Würde und Lebendigkeit des Körpers zur Grundlage
ihrer Arbeit macht und weiß, daß menschliche Entfaltung in
der gegenseitigen Stimulation von somatischer, psychischer und essentieller
Entwicklung stattfindet.
Die Spektren von prä- zu transpersonaler Entwicklung verlaufen
nicht vom Körper (prä-) zum Geist (trans), sondern parallel
in der Entfaltung aller Ebenen. Die im Verhältnis zur Psyche relative
Vernachlässigung somatischer Entwicklung in den Psychotherapien ist
ebenso wie die relative Vernachlässigung spiritueller Entwicklung
nur aus der Geschichte des Abendlands zu verstehen, nicht zu entschuldigen.
Körper und Geist: Spaltung oder Integration?
In den antiken Wurzeln abendländischer Reflektion über den
Körper tauchen bereits die grundlegenden und polaren Metaphern des
Körpers als Tempel oder Grabmal des Geistes oder der Seele auf. Die
Ambilvalenz, die sich hierin ausdrückt, begründet das Spektrum
an Einstellungen zum Körper zwischen Würdigung und Abscheu.
Was für eine Wohnstatt ist der Körper für uns? Ist er ein
wunderbares Gefährt unseres Geistes, fähig zu weitreichenden
Entwicklungen, oder ein Gefängnis, das uns bindet und behindert?
Natürlich ist die Antwort eine Frage der Perspektive, und beide
Perspektiven haben ihre eigene Gültigkeit. Natürlich ist der
Körper auf der einen Seite ein wertvolles Instrument des Bewußtseins,
und auf der anderen Seite auch ein Schleier, der unser Bewußtsein
filtern und trüben kann, wie z. B. die Forschungen zu Nah-Todeserfahrungen
zeigen, die häufig zu neuen und transformierenden Lebenseinstellungen
führen. Entscheidend aber ist, welche Bewertungen wir an diese Doppelnatur
des Körpers anheften und welche Konsequenzen sie haben. Die grundlegende
Geschichte des Körpers im Abendland ist hinlänglich bekannt.
In der Entfaltung des dualisierenden oder spaltenden Denkens wurden
der Materie und damit dem Körper in der Regel die schlechteren Karten
zugespielt. Sie wurden zunächst zum Träger spiritueller und
moralischer Verwerflichkeit, zum Träger des Schlechten und Bösen,
sofern sie nicht im Dienste der Kultur diszipliniert und aufgewertet wurden.
Die Belegung der Sexualität mit der Erbsünde war buchstäblich
der Gipfel, ein durchschlagender gleichwohl. Später, in der wissenschaftlichen
Emanzipation von Theologie und Ethik, wurde der Körper mechanisiert,
instrumentalisiert, der Rationalität und Ökonomie preisgegeben.
Insofern Zivilisationsgeschichte die Geschichte von repressiven Machtverhältnissen
war und ist, wurde der Körper das erste Opfer restriktiver, gewaltsamer
und verstümmelnder Behandlung, Mißhandlung und Erziehung. Die
Ausrottung der westlichen schamanistischen und volkstümlichen Traditionen
von Heilung durch die Tötung von vielen Millionen Menschen diente
als kollektiver Vorspann für effektivere Sozialisation in gesellschaftlich
kontrollierbareren Institutionen. Während das Zeitalter der Aufklärung
hohe Werte rational begründete und einforderte, war deren praktische
Umsetzung oft durchdrungen von Grausamkeit - vielleicht die wirkungsvollere
Botschaft. Immerhin entstand Psychotherapie dort, wo die Folgen nicht
mehr weiterhin ausgliederbar waren, an den Traumen von Gewalt, Mißbrauch
und Unterdrückung. Statt Tempel oder Grabmal wird der Körper
zum Träger der Verwundungen.
Die Entdeckung des Unbewußten war bei Freud nicht von ungefähr
die Entdeckung unterdrückter Inhalte. Freud thematisierte die Schattenseiten
der Zivilisation, wenn auch mit der entscheidenden Pirouette seines Widerrufs
realen Mißbrauchs und Inzests und ihrer Verlagerung ins Reich der
Phantasie. Wurde der Mißbrauch auch ausgeklammert, die Unterdrückung
wurde immerhin benannt, ohne im Grundsatz in Frage gestellt zu werden.
Zivilisation bei Freud kann nicht anders als unterdrücken und sublimieren,
da Freuds Anthropologie und insbesondere sein Verständnis von Körperlichkeit
die negativen Projektionen westlicher Kultur auf den Körper nicht
aufhob.
Zwar wurde Freud zum radikalen Detektiv menschlicher Libido und Sexualität,
aber in ihren Wurzeln betrachtete er sie als polymorph pervers. Wenn aber
menschliche Natur am Ursprung pathologisch ist, muß Zivilisation
dies korrigieren, also wird es bei einem gewissen Maß an Unterdrückung
bleiben müssen. Der Soziologe Norbert Elias hatte diese Denkfigur
in die Grundlagen seiner einflußreichen Zivilisationstheorie eingebaut
und beschrieben, wie die kulturellen Errungenschaften von körperlichen
Verfeinerungen und gewaltfreierem öffentlichen Verhalten auf strengeren
Maßnahmen der Triebunterdrückung basieren. Die Haltung besteht
unter vielen Psychotherapeuten als Mißtrauen gegenüber dem
Körper noch heute fort. Mit dem Körper zu arbeiten steht im
Verdacht des Ausagierens, zu berühren steht im Verdacht zu sexualisieren.
Symbolisierung durch Sprache und Bilder hat Vorrang vor somatischer und
emotional-expressiver Lebendigkeit. Verbal-symbolisches Handeln hat größeren
Wert als die Symbolik non-verbalen Handelns.
Die Geschichte des Körpers im Westen hatte und hat natürlich
auch immer ihre Gegenbewegungen und ihre Errungenschaften, nur sind diese
gesellschaftlich selten sehr einflußreich geworden. Ob es sich um
die Geschichte der Konzeptualisierungen feinstofflichen Körper handelt,
die Liebesromantik der Troubadours, die in antiker Wissenschaft und hermetischer
Alchimie gegründete Kultur der Renaissance und schließlich
die Wurzeln der Körperpsychotherapie, häufig, beileibe nicht
immer, waren diese Bewegungen emanzipativ, bezogen auf die jeweilig bestehenden
Machtverhältnisse. Ihrem Bewußtsein liegt tendenziell eher
ein Denken in aufeinander bezogenen Polaritäten zugrunde, als die
Aufspaltungen in unvereinbare Dualitäten. Die Bemühungen um
die Entdeckung der Einheit in der Welt, die Wiederbelebung von Eros als
Sehnsucht nach dieser Einheit, führte nicht zuletzt dazu, das Verhältnis
zwischen Mann und Frau gleichberechtigter zu sehen als gemeinhin üblich
war. Gleichwohl bargen diese Bewegungen auch immer die Gefahr einer regressiven
Idealisierung, die fundamentalistischen und faschistischen Strömungen
Vorschub leisteten. Genaue Unterscheidungen sind hier notwendig.
Einem radikal positiven Verhältnis zu Natur, Körperlichkeit,
Geschlechterbeziehung und demokratischen Willensbildungsprozessen standen
oft Skepsis, Ablehnung, Unterdrückung und Vereinnahmung gegenüber.
Während der Naziherrschaft war es ja beispielsweise nicht nur Wilhelm
Reich, der mit Hilfe der Psychoanalytiker ausgebotet wurde, sondern viele
andere Menschen, die körpertherapeutisch arbeiteten und der Verfolgung
ausgesetzt waren. Ihr Exodus hat in Deutschland und Europa eine Lücke
hinterlassen, die mit dazu beiträgt, daß immer noch umstritten
ist, ob Körperpsychotherapie als eine Hauptströmung der Psychotherapie
anerkannt werden kann. Dabei bedarf es jedoch einer Neuschreibung der
Geschichte.
Denn nicht etwa ist die Körperpsychotherapie ein Ableger der Psychoanalyse,
sondern umgekehrt ist die Psychoanalyse aus der älteren Tradition
der Körperpsychotherapie heraus entstanden, wie David Boadella in
seinem Artikel über den französischen Erneuerer der Psychiatrie
Pierre Janet (1859-1947) gezeigt hat. In weiteren, bisher unveröffentlichten
Artikeln hat Boadella die Ursprünge der modernen (Körper-)Psychotherapie
über 225 Jahre bis zu dem Wiener Arzt Franz Anton Mesmer (1734-1815)
zurückverfolgt. Kennzeichnend für die 100 Jahre Psychotherapie
zwischen Mesmer und Janet war das Verständnis der körperlichen,
psychischen und spirituellen Dimensionen des Lebens. Boadella beschreibt,
wie sowohl die körperliche als auch spirituelle Dimension in unserem
Jahrhundert aus dem Bereich der Psychotherapie herausgedrängt wurden.
Und, so möchte ich hinzufügen, sich die Therapeuten in die bequemen
Sessel hineintrieben. Triumph unserer Fähigkeit, uns sprachlich zu
symbolisieren, endlos.
Dennoch, dieses Jahrhundert ist auch die Zeit der Durchsetzung einer
neuen Integration von Geist und Körper, sowohl in den Wissenschaften,
als auch in den Therapien. Ken Wilber spricht vom zentaurischen Stadium,
in dem sowohl Geist wie Körper zu den existentiellen Erfahrungsbereichen
eines integrierten Selbstes zählen. Genau um diese Erfahrung und
Integration geht es in den Körperpsychotherapien. Ihr Ausgangspunkt
ist die Verbindung von Geist und Körper, nicht deren Trennung, die
René Descartes in seinem Dualismus zwischen Körper und Bewußtsein
für die Moderne begründet hatte. Worin diese Verbindungen bestehen,
ist eine der spannendsten wissenschaftlichen Fragestellungen unserer Zeit.
Für die Praxis der Körperpsychotherapie können jedoch einige
grundlegende Aussagen getroffen werden, ohne in die komplexen Forschungsergebnisse
und philosophischen Auseinandersetzungen notwendigerweise eintreten zu
müssen.
Lebensströme und Lebensfelder
Zunächst einmal geht es um die einfache aber profunde Unterscheidung,
daß ich nicht einfach nur einen Körper habe, der gelegentlich
seine Beachtung braucht, um befriedigt, frustriert oder gedeutet zu werden,
sondern körperlich bin. Das heißt, in der therapeutischen Arbeit
nehme ich mich und meine Klienten von vornherein verkörpert wahr.
Meine Aufmerksamkeit ist körperlich, ebenso auf non-verbale Gegebenheiten
und Kommunikationen ausgerichtet wie auf sprachliche. Körperhaltungen
und Bewegungen im Raum und in der Zeit, Gesten, Gestaltungen von Kontakt,
Atmung, der Ton der Stimme und Sprache, der Ausdruck von Spannungen, Stimmungen
und Gefühlen sind ebenso wichtig wie die Inhalte sprachlicher Mitteilungen.
Mit anderen Worten, alle Aspekte von Zuständen, in denen sich TherapeutIn
und KlientIn begegnen und mit denen sie sich gegenseitig beeinflussen,
gehören grundsätzlich in die Landkarte meiner Aufmerksamkeit.
Diese Wahrnehmung von Zuständen ist zugleich Grundlage der Diagnostik.
Im Unterschied und in Ergänzung zur sprach-orientierten Diagnostik
sprechen wir in der Biosynthese von Pulsations-Diagnose. Diese ist sowohl
nach innen gerichtet, als es sich um die Wahrnehmung meines eigenen Zustands
und um die subjektive Selbstwahrnehmung der KlientIn handelt, als auch
nach außen, insofern es sich um meine Beobachtung der KlientIn und
ihrer Beobachtung von mir handelt. Die Unterscheidung zwischen innerer
und äußerer Wahrnehmung legt auch die Unterscheidung zwischen
subjektiver und objektiver Diagnose nahe, der Komplementarität zwischen
subjektiven Erleben und objektivierender Beobachtung.
Aus der zunächst phänomenologischen Wahrnehmung der Zustände
stellen sich bereits wichtige Fragen. Ist das, was sprachlich ausgedrückt
wird, in Übereinstimmung mit der non-verbalen Präsentation und
Kommunikation oder gibt es hier wichtige Ergänzungen, Widersprüche
und Unstimmigkeiten? Um diese Fragen zu klären, ist sprachlich gelenkte
Aufmerksamkeit auf die oft unbewußteren non-verbalen Parameter notwendig.
Körperpsychotherapie ist in der Lage, diese Parameter sehr systematisch
in die Wahrnehmung zu rücken. Die Biosynthese spricht von den drei
Lebensströmen, die von anderen körper-psychotherapeutischen
Schulen zum Teil unterschiedlich stark in den Vordergrund gestellt werden.
Diese drei Lebensströme manifestieren sich bereits früh in der
Embryogenese als die drei Keimschichten Endo-, Meso und Ektoderm, aus
denen sich die somatischen Systeme des Nahrungskanals mit seinen inneren
Organen und der Atmung (Endoderm), das Skelett, die Muskulatur und das
Blut-Kreislaufsystem (Mesoderm) und das Nerven-Sinnessystem einschließlich
der Haut und des Gehirns (Ektoderm) entwickeln.
Auf dieser Ebene der Beschreibung bilden die drei Lebensströme
eine dreigliedrige Grundstruktur von Körpergeweben und Systemen,
die in ihrem Zusammenspiel das biologische Lebensfeld des Körpers
bilden. Wir können mehre Lebensfelder unterscheiden. Zum Lebensfeld
des physischen Körpers treten folgende Lebensfelder hinzu: energetische
Strömungen, wahrnehmbar als Sensationen und Empfindungen, Emotionen,
stimmlicher und sprachlicher Ausdruck, sprachliches, imaginatives und
intuitives Denken und umfassende, essentielle Qualitäten von Präsenz.
Auf jeder Ebene der Lebensfelder können wir nun die drei Lebensströme
in jeweils neuer Gestalt wiederfinden. Auf physischer Ebene als Motorik,
Stoffwechsel und Sensorik, auf energetischer Ebene als Tonus, Ladung und
Erregung, auf emotionaler Ebene als motorische, vegetative und konzeptuelle
Aspekte der Gefühle, auf sprachlicher Ebene als handlungs-, erlebens-
und bedeutungsorientierte Sprachstile, auf imaginativer Ebene als motorische,
emotionale und semantische Aspekte der Vorstellungen und essentiell als
die drei Grundqualitäten von Wille, Liebe und Erkenntnis. Graphische
gesprochen ziehen sich die Lebensströme also vertikal durch die horizontal
geschichteten Lebensfelder und erleben dabei eine Metamorphose, einen
Gestaltwandel.
Die horizontalen Lebensfelder bilden mit anderen Worten
mehrere Oktaven der Lebensströme. Auf diese Weise entstehen deutliche
Korrespondenzen zwischen Lebensströmen und Lebensfeldern. Die Motorik
beinhaltet die Themenbereiche Körperstruktur, Körperhaltungen,
muskuläre Spannungen und motorische Schemata, im weitesten Sinne
also Handlungen und Verhalten. Vegetative Lebendigkeit beinhaltet die
Themenbereiche energetische Ladung, Muster der Atmung, Zugänglichkeit
und Ausdrucksfähigkeit von Gefühlen, im weitesten Sinne also
Affekte. Das Nerven-Sinnessystem umfaßt die Themenbereiche Wahrnehmung
und Fokussierung der nach außen und innen gerichtete Sinne, Kontaktverhalten,
Strukturen des Bewußtseins und die Verarbeitung von Erfahrungen,
im weitesten Sinne also Kognition. Diesen drei großen Themenbereichen
von Handlung, Affekt und Kognition sind die drei therapeutischen Prinzipien
von Erdung, Zentrierung und Anschauung zugeordnet.
Körperbild und Körperschema
Zu der phänomenologischen Diagnose der Zustände
des Klienten aufgrund der Lebensströme und Lebensfelder treten weitere
diagnostische Fragen hinzu, die für die körper-psychotherapeutischen
Strategien und Interventionen von großer Wichtigkeit sind.
Im Wesentlichen handelt es sich hier um die Unterscheidung
zwischen Körperbild (body image)und Körperschema (body schema)
der KlientInnen. Beide können wieder auf der Grundlage der drei Lebensströme
beschrieben werden. Das Körperbild umfaßt die drei Aspekte
der wahrnehmenden Erfahrung des Körpers, des konzeptuellen Verständnisses
des Körpers und der emotionalen Einstellung zum Körper. Das
Körperbild bezieht sich also auf die Präsentation und Repräsentation
des Körpers im Bewußtsein, in der Psyche. Das Körperschema
hingegen ist die vorbewußte Organisation des Körpers in Beziehung
zu einer spezifischen physischen und sozialen Umgebung.
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Während diese Organisation in der Geschichte
des Körperschema Konzeptes überwiegend auf die motorische und
posturale Organisation bezogen wurde, können wir ebenso die Strukturierung
der Wahrnehmung, der Atmung und der metabolisch-vegetativen Prozesse hinzunehmen.
Das Körperschema beschreibt die unbewußten
Formungen der Physiologie in Antwort auf spezifische Lebens-umgebungen.
Während das Körperschema ganzheitlich oder einheitlich funktioniert,
besteht das Körperbild aus einzelnen, ins Bewußtsein gehobenen
und spezifisch repräsentierten Wahrnehmungen des Körpers.
Dabei beeinflussen die vorbewußten Fähigkeiten
der Körperschemata die bewußten Intentionen der Psyche als
sowohl einschränkende als auch befähigende Faktoren, während
sich umgekehrt das Körperbild in die Funktionsfähigkeit des
Körperschemas normalerweise zwar nicht einmischt, es aber in spezifischen
Situationen auch behindernde oder entfaltende Wirkungen ausüben kann.
Wenn wir nun jedoch das Konzept der Lebensfelder mit
den Konzepten des Körperbildes und Körperschemas koppeln, kommen
wir zu weiteren Differenzierungen. Oben hatten wir gesehen, daß
die Korrespondenzen zwischen Lebensströmen und Lebensfeldern die
drei großen Bereiche von Handlung, Affekt und Kognition hervorbringen.
In jedem dieser Bereiche, genau genommen auf jedem einzelnen Lebensfeld,
entstehen im Laufe unserer Entwicklung spezifische Schemata und Bilder,
die sich miteinander koppeln. George Downing spricht deshalb von affekt-motorischen
Schemata. Dieser Begriff sollte ausgeweitet werden zu einem Verständnis
des Zusammenklanges von motorischen, affektiven und kognitiven Schemata.
Dasselbe gilt für die Bilder, sofern es sich um bewußte Wahrnehmungen
und Repräsentationen dieser drei Bereiche in der Psyche handelt.
Während Psychotherapie in der Regel den Körper
nur über die symbolisierenden Körperbilder einbezieht und die
Arbeit mit den Körperschemata ausschließt, arbeitet die Körperpsychotherapie
mit beiden, Körperbildern und Körperschemata. Dabei ist der
zentrale Gedanke der Körperpsychotherapie, daß Veränderungen
im Körperschema zu Veränderungen im Körperbild führen
und daß dies vom Standpunkt der Reorganisation in der Regel eine
profunde und effektive Vorgehensweise ist. Dies um so mehr, als Körperschemata
in der Regel einen gemeinsamen Nenner des Verhaltens auf verschiedenen
Ebenen der Lebensfelder bilden, im Sinne des Zusammenklanges motorischer,
affektiver und kognitiver Schemata. So wird z.B. das Denken durch früher
herausgebildete motorische und affektive Fähigkeiten in seinen Möglichkeiten
beeinflußt. Mit anderen Worten, die Verkörperung von Mustern
des Verhaltens, Fühlens und Kommunizierens in der Therapie bietet
einen Schlüssel, um Schwierigkeiten greifbar werden zu lassen und
neue Möglichkeiten zu erforschen.
Oben hatte ich bereits beschrieben, wie in der Arbeit
mit KlientInnen auf die Kohärenz oder Diskrepanz zwischen verbalen
Inhalten und non-verbalen Darstellungen geachtet wird. Die sprachlich
gelenkte Aufmerksamkeit auf unbewußtere non-verbale Parameter kann
hier mit den Begriffen des Körperbildes und Körperschemas genauer
beschrieben werden.
Die Arbeit mit den Körperbildern zielt zunächst
auf eine umfassendere Achtsamkeit und bewußtere Repräsentation
der Körperschemata ab, versucht dann jedoch in weiteren Schritten,
die Schemata nicht nur in ihren Bedeutungen zu verstehen, sondern aktiv
weiterzuentwickeln, insbesondere dort, wo ihre bisherige Formungen weiteren
Entwicklungen im Wege stehen. Dazu bedarf es einer weiteren Entfaltung
der Diagnostik über die bisherige phänomenologische Erfassung
von Zuständen hinaus. Die Frage stellt sich, inwieweit die jeweiligen
Zustände Auskunft geben über grundsätzlichere Strukturen
von Organisation, inwieweit sie typische Schemata oder Muster repräsentieren.
Hiermit sind Entwicklungsstadien von Gesundheit und
Pathologie gemeint, also Ressourcen und Fähigkeiten ebenso wie Grade
von Störungen, von leichteren Charakterstilen über Charakterneurosen
zu schwerwiegenderen Persönlichkeitsstörungen und Psychosen.
Beide Ebenen, die Entwicklung von Fähigkeiten wie die Entwicklung
von Störungen, deuten auf altersspezifische Entwicklungsphasen hin,
deren Diagnose für den therapeutischen Kontakt, die Strategien und
die Interventionen wichtig sind. Mit diesen Phasen sind entwicklungsspezifische
Themen verbunden, die durch die Herausbildung und Meisterung der somatischen,
emotionalen und mentalen Schemata ausdifferenziert und integriert werden
oder eben auch nicht, was dann zu den bekannten charakterologischen Fixierungen
führt, die weitere Entwicklungen beeinträchtigen.
Die Wirkungen von Schock-Traumen, die oft zu posttraumatischen
Streßsyndromen führen, können zu Störungen von bereits
aufgebauten Ebenen von Organisation führen, die zu den Entwicklungsstörungen
Ähnlichkeiten aufweisen, aber tatsächlich zu einem späteren
Zeitpunkt entstanden sind.
Strategien und Interventionen
Zum diagnostischen Geschick der Körperpsychotherapeuten zählt
es also, aus dem von Klienten präsentierten Themen, Geschichten und
Verhaltensweisen die zentralen Muster oder Schemata herauszulesen, um
mit ihnen im therapeutischen Prozeß aktiv zu arbeiten. Körperpsychotherapie
hat umfassende Möglichkeiten, in erfahrungsorientierte Prozesse einzutreten,
in denen bestehende Schemata erforscht und verändert werden können.
Dies geht über sprachliche Arbeit allein weit
hinaus, da jetzt das ganze Spektrum von Körperlichkeit einbezogen
werden kann. Hierzu zählen die Möglichkeiten direkter Berührung,
die Erforschung posturaler Veränderungen und Bewegungen, die Arbeit
mit Atem und Stimme, mit emotionalem Ausdruck und Containment, mit Kanälen
des Kontakts und der Sinnesorgane und nicht zuletzt die Arbeit mit Grenzen.
Das Verhältnis von Sprache, Imaginationen und Körper verändert
sich gegenüber herkömmlicher Psychotherapie dahingehend, daß
es hier nicht einseitig um die Sprachfindung für somatisch-emotionale
Prozesse geht, sondern auch um die Verkörperung von Sprache. Es entsteht
ein wechselseitiges Verhältnis zwischen Sprachfindung und Körperfindung,
zwischen Symbolisierung, Handlung, Expressivität und Sein.
Auf allen genannten Ebenen somatischer Arbeit begegnen
wir sowohl einschränkenden wie kompetenten Mustern. Der somatische
Kontakt zwischen TherapeutIn und KlientIn ermöglicht die Erfahrung
und Entfaltung dieser Muster und ihrer Intensitäten. Sie werden dadurch
in einer Weise offengelegt und greifbar, die alleine kaum oder gar nicht
möglich ist. Ebenso wie der sprachliche therapeutische Dialog katalysierend
wirkt, so auch der somatische. Und ähnlich wie die Psychotherapien
ausgefeilte Instrumentarien entwickelt haben, um den sprachlichen Dialog
zu gestalten, so haben die Körperpsychotherapien jede der genannten
Ebenen, über Berührung, Bewegung, Atem und Ausdruck vielfältige
Differenzierungen somatischer Arbeit in Verbindung mit Sprache und Imagination
hervorgebracht. Die Grundprinzipien von Erdung, Zentrierung und Anschauung
können über vielfältige Interventionen therapeutisch wirksam
werden.
In dem Verständnis dieser Grundprinzipien hat
sich im Laufe der Zeit immer mehr ein bipolares Verständnis von Abweichungen
von einer optimalen, dynamischen Mitte durchgesetzt, d.h., charakterologische
und posttraumatische Störungen können somatisch als jeweilige
Über- und Unterfunktionen im muskulären Tonus, in Bewegungen,
in Atemmustern, emotionalem Ausdruck, Grenzbildungen und sensorischem
wie kognitivem Fokus beschrieben werden. Dieses Verständnis hat wichtige
Konsequenzen für somatische Strategien.
Während Wilhelm Reich einerseits zwar dieses
Verständnis bereits entwickelt hatte, so konnte seine Metapher von
der somatischen Panzerung als funktionaler Entsprechung des Charakterpanzers
zu einseitig als Beschreibung von Überspannung verstanden werden,
wodurch die ebenso auftauchenden Muster von Unterspannung in den Hintergrund
gerieten. Dies mag einer historischen Realität entsprochen haben,
wie manche Autoren, z. B. der Reichianer Will Davis, in der Beschreibung
einer Veränderung von sogenannten "hard structures" zu
"soft structures" nahelegen. In dem Maße jedoch, wie sich
eine genauere Diagnose von Über- und Unterspannungen in Verbindung
mit den jeweiligen charakterologischen Konsequenzen entwickelte, veränderten
sich auch die Strategien somatischer Arbeit. Hatte in den 70ger Jahren
noch deutlich die Vorstellung kathartischer Lösung der in Panzerungen
gefangenen Energien, Haltungen, Gefühle und Erinnerungen gestanden,
so setzte sich mit der Erfahrung destabilisierender Wirkungen und sich
wiederholender Kreisläufe die Erkenntnis durch, daß bewußte
Arbeit mit formativen Prozessen und Reorganisation eine größere
Rolle zukommen mußte.
Korrespondierend zum Begriff der Tiefenpsychologie
verfügt die Körperpsychotherapie heute über eine Verständnis
von Tiefensomatik, das eine differenzierte Arbeit mit Körperschemata,
ihrer Repräsentation in Körperbildern und deren Formung und
Veränderung im Rahmen menschlicher Beziehungen ermöglicht. Menschliches
Wachstum läßt, so zeigt die Körperpsychotherapie, den
Körper dabei nicht zurück.
Somatische Arbeit ist nicht nur dann angezeigt, wenn
es sich um Regressionen in präverbale Stadien und nonverbale Prozesse
handeln soll, sondern bleibt auch die Grundlage für Progression.
Für die Entfaltung menschlicher Qualitäten ist die transverbale,
somatisch erfahrbare Präsenz mit der Klarheit emotionaler und mentaler
Bewußtheit in natürlicher Weise verbunden.
Vignette
Dies ist eine Sitzung mit einem Mann in den Fünfzigern,
den ich Werner nennen werde. Er arbeitet u.a. als Therapeut mit Filmen
und stand in der Vorbereitung eines Projektes bei einer großen Filmgesellschaft,
das er auf einer Pressekonferenz darstellen sollte. Die Sitzung begann
mit einer Unklarheit über das Thema - er sprach von einem allgemeinen
Gefühl von Frustration. Werner ist ein gedrungener Mann, warmherzig
und sensibel, mit einer zurückhaltenden, manchmal schwer zu verstehenden
Stimme, bei gleichzeitig hoher innerer Ladung. Seine Struktur zeigt deutliche
masochistische Züge.
Um mehr Klarheit und Dynamik aufzubauen, begannen
wir mit energetischer Arbeit im Stehen. Vom Rücken her half ich ihm,
insbesondere im Oberkörper aus einer gebeugten und zusammengezogenen
Haltung mehr in die Ausdehnung zu gehen, unterstützt durch Bewegungen
der Arme, Lockerung des Kiefers, tieferer Atmung und stimmlichen Ausdruck.
Nach einiger Zeit entstanden unwillkürliche Bewegungen in den Armen,
die Werner jedoch zunächst unterbrach. Nach wiederholten Aufforderungen
konnte er sie mehr erforschen, mit Unterstützung der Stimme.
Auf meine Nachfragen hin entstand das Bild eines
Hais, mit geöffneten Maul, und entsprechenden Tönen. Bald darauf
überkreuzten sich die Arme zu einem Kreuz und Werner sagte: "Ich
bin wie eine Opferung. Ich denke an meine Mutter, ohne es zu wollen. Ich
bin am Kreuz." Trauer und Wut entstanden. "Ich würde Dich
gerne so lieben wie ich es einmal getan habe. Aber ich habe so viel Ärger.
Ich wurde betrogen." Der Betrug bestand darin, daß seine Mutter
ihn nicht anerkennen und unterstützen konnte für seine Leistungen.
Ich entschied, daß der Ausdruck von Ärger hier nur alte Muster
fortsetzen würde und fragte deshalb, ob er sich vorstellen könnte,
diese Unterstützung zu bekommen, und wie sich dies anfühlen
wurde. Werner konnte sich dies nur über die Augen seines spirituellen
Lehrers vorstellen. Er spürte ein Schluchzen, daß jedoch in
der Brust steckenblieb, wo das Gefühl von Frustration im Wege war.
Ich ermutigte Werner, die Bewegungen und Töne
des Hais einzusetzen. An dieser Stelle trat ein weiteres Bild aus einer
vorherigen Meditation hinzu, die Vorstellung eines Tigers, der sich in
Bewegungen des rechten Armes verkörperte und reißende Bewegungen
machte, während der linke Arm den Hai verkörperte. Schließlich
kniete sich Werner vor eine Matratze und schrie und schlug mit beiden
Armen. Dies sah sehr angestrengt aus, als wenn die Aktion seinem zusammengezogenen
und gebeugten Muster des Herauspressens folgte. Ich schlug ihm vor, das
Schlagen mehr zu genießen. Die daraus entstehende Lockerheit und
Ausdehnung brachte ihn in Kontakt mit einem Gefühl, daß er
als kleiner Junge gehabt hatte. Als er dreieinhalb Jahre alt gewesen war,
wollte seine Mutter, das er auf einem Stuhl vor anderen Menschen ein Lied
aufführte, das mit der damaligen Kriegssituation verbunden war. Werner
fühlte sich zu klein dafür, von den Augen der Erwachsenen beurteilt
und hatte Angst.
Verbunden mit der Kraft des Tigers fühlte er
jetzt Impulse, ihnen die Augen auszukratzen. Ich stellte ihn vor die Wahl,
eine neue Entscheidung zu treffen, ob er singen wollte. Werner entschied
sich, aus eigenem Antrieb zu singen und es gut zu machen. In diesem Moment
entdeckte er "seine" Stimme. "Meine Stimme gehört
mir! Ich atme besser, ich spreche besser." Die Veränderung war
für alle Teilnehmer der Gruppe, in der diese Sitzung stattfand, mit
großer Berührtheit zu spüren. Werner erforschte seine
veränderte, viel weiter tragende Stimme, die er jetzt seine reale
Stimme nannte, noch etwas länger, bevor wir die Sitzung reflektierten
und er über die Bedeutung dieser Erfahrung für seine bevorstehenden
Aufgaben in Radiointerviews und der Pressekonferenz sprach. Die Vorstellungen
vom angreifenden Hai und reißendem Tiger konnte Werner als Erinnerung
und Unterstützung für die Entdeckung und Entfaltung seiner veränderten,
realen Stimme ohne die Verletzlichkeit und Scham akzeptieren, die diese
Bilder zunächst während der Sitzung ausgelöst hatten. Auch
die Vorstellung der unterstützenden Augen seines Lehrers konnte Werner
nach diesem Prozeß mit viel Dankbarkeit in sich hineinlassen.
Viele der somatischen Interventionen, durch die ich
Werner während der Arbeit unterstützt habe, können hier
in der Kürze nicht beschrieben werden. Zum einen bestanden sie aus
sehr direkten Berührungen, die vor allem am Anfang das Ziel hatten,
seinen Körper in eine offenere Form einzuladen und dadurch mehr Lebendigkeit
freizusetzen. Gleichzeitig gaben sie insbesondere durch die Stärkung
des Rückens ein Gefühl von Sicherheit, daß Werner zu Beginn
der Sitzung nicht genügend gespürt hatte und das ihm half, sich
auf seinen intensiven Prozeß einzulassen.
Zum anderen galten viele Interventionen seinen Bewegungsimpulsen
in den Armen, die sonst immer wieder unwillkürlich aufgegeben worden
wären. Meine sprachlichen Interventionen hatten dazu begleitend die
Absicht, die sich entfaltenden Prozesse durch die Beteiligung und Verbindung
mehrerer Lebensfelder zu vertiefen. Die Veränderung der Haltung,
die muskuläre Lockerung des Kiefers, die Unterstützung der Atmung
durch Bewegungen der Arme , die Stimme, die Verbindung zu bedeutungsvollen
Vorstellungen des Hais und Tigers, die Begegnung mit seiner Mutter und
die damit verbundenen Gefühle und Gedanken zeigen die allmähliche
Orchestrierung eines sich herausschälenden Themas auf vielen sich
gegenseitig unterstützenden Ebenen.
Der zweite wichtige Aspekt meiner sprachlichen Interventionen
bestand darin, die sich wiederholenden Schemata von Frustration und Ärger
nicht weiter zu verfolgen, sondern hier nach den Qualitäten zu suchen,
die in Werners Beziehung mit seiner Mutter gefehlt hatten und nach Wegen
zu suchen, sie für ihn erfahrbar werden zu lassen. Verkörperte
Imagination ist hierfür ein Medium, das unter den richtigen Bedingungen
große transformierende Wirkungen haben kann. Ein zweites Moment
von Reorganisation betraf das Schema seines Schlagens. Indem ich das neue
Moment von Genuß und Spiel einführte, öffnete sich Werner
für die Resonanz mit einer noch verborgeneren Erfahrung, die sich
schließlich als Schlüssel zur Inbesitznahme seiner Stimme herausstellte.
Im nachhinein wurde offensichtlich, daß dies ein zentrales Thema
seiner gegenwärtigen Lebenssituation war.
Literatur
David Boadella: Awakening sensibility, recovering
motility. Psycho-physical synthesis at the foundations of body-psychotherapy:
the 100-year legacy of Pierre Janet, in: International Journal of Psychotherapy,
Vol. 2, No. 1, May 1997
David Boadella: Embodiment in
the therapeutic relationship: main speech at the First Congress of the
World Council of Psychotherapy, Vienna, 1-5 July 1996, in: International
Journal of Psychotherapy, Vol. 2, No. 1, May 1997
George Downing: Körper und
Wort in der Psychotherapie, Kösel, München 1996
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