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TEXTE ÜBERBLICK

Texte aktuell

 


Energiearbeitsgruppe des EABP-CH /
Ernst Juchli

Der Energiebegriff in der Körperpsychotherapie*

1. Leseanleitung
2. Vorwort
a) der Arbeitsgruppe
b) des Autors
3. Zusammenfassender Teil
auf Bestellung und mit Bezahlung, die ganze Arbeit mit zusätzlich:
4. Hauptteil mit Interviews und Kommentaren
5. Buchbesprechungen.

1. Über die vorliegende Arbeit: Lesehinweise**

Die ganze Arbeit über den Energiebegriff in der Körperpsychotherapie enthält zuerst einen zusammen-fassenden Teil (A). In ihm werden die Hauptzüge der Arbeit in einer gekürzten Fassung dargestellt. Es werden darin unser Vorgehen in Phasen, unser Gruppenprozess und die Ergebnisse beschrieben. Die Kurzbeschreibung der Phasen ergibt gleichzeitig den roten Faden durch die Gesamtarbeit.

Der Hauptteil (B) beginnt immer mit der Kurzbeschreibung der entsprechenden Phase. Wer von vorne mit Lesen begonnen hat, hat diesen Text also schon einmal gesehen. Damit man ihn leicht überschlagen kann, ist er kenntlich gemacht durch eine andere Schrift. Zusätzlich ist dann jeweils ein detaillierterer Text, zum Teil mit Zitaten aus unseren Protokollen und Arbeitsblättern, vorhanden. Diese Zitate und die Ausschnitte aus den gemachten Interviews sind je immer in der gleichen Schrift gehalten. Sie unterscheiden sich von der Schrift der erläuternden oder kommentierenden Texte.

Die Gesamtarbeit enthält in ihrem letzten Teil (C) die Sichtung einiger Fachliteratur aus der Körperpsychotherapie durch Mitglieder der Arbeitsgruppe. Diese Texte wurden vor allem durchgesehen in Hinblick auf ihren Energiebegriff. Es sind also meist keine umfassenden Buchbeschreibungen. Sie sind in ihrer Form auch nicht einheitlich gestaltet und sie sind subjektiv. Die AutorInnen der Beschreibungen hatten nur ausgemacht, auf das Arbeitsthema, eben den Energiebegriff, zu achten.

In den Interviews verwende ich die drei Punkte <...> in zwei verschiedenen Bedeutungen: Kommen die drei Punkte innerhalb eines Satzes vor, sollen sie eine längere Denk- und Sprechpause anzeigen. Falls sie in einer eigenen Linie sind, bedeuten sie, dass dort Text ausgelassen wurde.
In der Arbeit kommt sowohl die 'Wir'-Form wie auch die 'Ich'-Form vor. Mit 'wir' ist meist die Arbeitsgruppe gemeint. Andere Bedeutungen erschließen sich hoffentlich aus dem Kontext. Mit 'Ich' ist im allgemeinen Ernst Juchli gemeint. Ich habe von der Arbeitsgruppe den Auftrag übernommen, den Schlussbericht zu schreiben. Da wir keine allgemeinere Diskussion vorweg nehmen wollten, gibt es einige Textstellen, von denen ich nicht weiß, inwiefern sie die Meinung der ganzen Gruppe oder die einer Mehrheit ist. Eventuelle Schärfe oder Angriffigkeit im Text geht also auch auf meine Kappe. Es kommt darin eine persönliche Eigenheit (Charakterstruktur) von mir zum Vorschein: Wenn ich zu konziliant schreibe, verliere ich den Spaß daran, wenn ich so schreibe, wie es grad kommt, wird es oft zu hart. Ich hoffe, der Kompromiss ist für die meisten erträglich. Ich möchte mich entschuldigen, wenn Verletzungen oder Kränkungen entstehen. Es liegt sicher nicht in meiner Absicht, dies zu tun.
Und, da ich schon am Entschuldigen bin, bitte ich zu bedenken, dass ich nicht sprach-philosophisch geschult bin. Ich bin diesbezüglich interessierter Amateur. Insbesondere ist mir klar, dass es für einige der von mir angesprochenen Themen Fachleute und Fachliteratur gibt. Meine Interessensgebiete sind neben der Psychotherapie die Naturwissenschaften, insbesondere die mathematischen Modell- und Begriffsbildungen. Daher bin ich auch besonders empfindlich, wenn meinem Gefühl nach 'naturwissenschaftlich' geredet und geschrieben wird, ohne die dort vorhandenen Eigenarten zu beachten. Qualitäten von Texten bestehen oft gerade in ihrer Mehrdeutigkeit. Ich kann das durchaus schätzen. Sie machen oft viel vom 'Zauber' (1) eines Textes aus - aber bitte nicht, wenn es um Begriffsbildung und Definitionen geht!
Daraus ergibt sich notwendigerweise, dass einige Formulierungen sicher angreifbar sind. Ich meine, dass eine Stärke der Psychotherapie gerade darin besteht, dass verschiedene Vorberufe und verschiedene Studienrichtungen vertreten sind. Es müssen sich die unterschiedlichen Fachkenntnisse gegenseitig kritisieren lassen und sich auch ergänzen. So könnten die jeweiligen Stärken zum Zuge kommen. Was hier vorliegt, ist eine Bestandesaufnahme durch eine Gruppe von KörperpsychotherapeutInnen und eine Kritik von Denken und Sprache. Unsere Gruppe hat kein eigenes Modell, keine eigene Sprache entwickelt.

 

2. Vorwort

a) der Arbeitsgruppe

Wir möchten uns vor allem bei den KollegInnen bedanken, die sich für die Interviews zur Verfügung gestellt haben. Ohne sie wäre unsere Arbeit nicht möglich gewesen. Sie kriegten von uns, außer einer Stunde Aufmerksamkeit, gar nichts. Jetzt in dem Text haben sie noch nicht mal die Chance, sich zu erklären oder zu wehren und werden von uns ja noch häufig 'missbraucht', um ein unserer Meinung nach bestehendes Ungenügen in der Körperpsychotherapie zu illustrieren. Es ist uns bewusst, dass das eine äußerst undankbare Rolle ist. Sicher kommt öfters nicht das ganze Denken der KollegInnen zum Ausdruck. Wenn sie so lange Zeit gehabt hätten wie wir, sich mit dem Thema zu befassen, dann hätten sicher alle gekonnter formuliert. Es ging uns aber um die Momentaufnahme vom Alltagsdenken, und zur Entschuldigung können wir anbringen, dass wir selber uns auch den Interviews gestellt haben - und - wir selber passen durchaus ins Bild. Den Interviewten gehört unser spezieller Dank.
Ganz wichtig war für uns die finanzielle Unterstützung der Forschungsarbeit durch den CH-EABP (der Schweizer Sektion des EABP). Wenn sie auch keinen Lohn ermöglichte, war es doch ein gutes Gefühl, eine Art Anerkennung zu haben. Dass wir in unserem Verband überhaupt Geld für Forschung haben, ist in erster Linie das Verdienst von Thomas Ehrensperger, unseres Präsidenten seit Gründung der Sektion. Er hat durch die brillante Organisation unseres ersten Körpertherapiekongresses dafür gesorgt.
Wenn auch die einzelnen Formulierungen im Text oft diejenigen des Autors sind, möchten wir als Arbeitsgruppe doch betonen, dass wir alle hinter dem Gesamt-Gruppenprozess stehen. Er ist unser gemeinsames Werk, er entspricht unserem gemeinsamen Fortschreiten der Erkenntnisse und Gefühle.


b) des Autors

Gegen Ende der gemeinsamen Arbeit fand ein Arbeitstag statt. Ich habe den größeren Teil dieses Textes darauf hin geschrieben, allerdings nicht in der Absicht, ihn als Vorwort zu verwenden. Ich nahm damals die Gelegenheit war, einen persönlichen Rückblick zu machen. Da ich jetzt diesen Schlussbericht verfasse, und weil mein Anteil in dieser Arbeitsgruppe doch relativ groß war, finde ich es wichtig, durchschaubar zu werden. Ich möchte also zum Zweck der Transparenz offen legen, wie ich selber in dieser Thematik drinstehe.
Verschiedene Gründe waren für mich beteiligt, diese Gruppe ins Leben zu rufen, zum Beispiel:

* Dieser ständige Ruf nach WZW-Forschung (2). Mein Unbehagen wegen der fast notwendigerweise auftretenden Unsauberkeit bis Unmöglichkeit solcher Forschung für Psychotherapie. Trotzdem musste ich eine Berechtigung von Forschung bezüglich der Seriosität von Körperpsychotherapie anerkennen. Zuviel erschien mir selber schummrig, bei zuviel hatte ich oft selber Mühe. Wenn ich mit KollegInnen anderer Richtung über 'Körperpsychotherapie' spreche, muss ich oft sagen, 'ich meine ...' oder 'wir im GFK (3) meinen ...'. Ich merkte, dass ich gerade in der Energie-Frage keinerlei Solidarität zur Körperpsychotherapie als allgemeine Richtung hatte. Ich hatte Bedenken, in ein banales oder dummes, oder "New Age" Lager geschoben zu werden. Und daraus entstand immer wieder die Frage, wie wir im EABP gemeinsam etwas vertreten sollten, wenn wir gar nicht Vertrauen ineinander hätten? Oder war das eventuell nur mein Problem?
* Mein eigenes Nachdenken über die 'Energie' in der Psychotherapie hatte, wie ich meinte, eine gewisse Klarheit erreicht, es war mir mit meiner eigenen Auffassung einigermaßen wohl. Es gelang mir aber nur ganz schlecht, diese Auffassung verständlich mitzuteilen. Auch unsere eigenen SchülerInnen, unsere eigenen AusbilderInnen, ich selber, redeten nach wie vor unklar.
* Dieser schwieriger Brocken des 'Energie-Begriffs' war schon während meines Naturwissenschaftsstudiums einer. Es gab und gibt auch unter den NaturwissenschaftlerInnen eine große Tendenz zum Verdinglichen. Die Sprache ist auch dort ungenau, oft abkürzend, wie es etwa in der Formulierung, 'die Energie wird transportiert', zum Ausdruck kommt. Es wird insbesondere oft übergangen, dass Energie in den Naturwissenschaften eine abstrakte, eine mathematische Größe ist, die nicht zum vornherein eindeutige Werte zu einem Stoff ergibt. (Beispiel: Gewicht des Benzins, Verbrennungswert des Benzins, und der Wert, der aus der Relativitätstheorie errechnet wird mittels der Formel E=mc2.) Energie ist also in der Naturwissenschaft immer ein Wert bezüglich einer bestimmten Handlung, nie ein 'an sich'-Wert. Außerdem geht oft vergessen, dass Energie immer eine Differenz zwischen Werten ist. (Beispiel: der Stein drei oder fünf Meter hochgehoben, der Stein auf der Erde, am Meer oder auf dem Matterhorn oder auf dem Mond.)
* Die Faszination durch die Orgonarbeiten von Reich, meine eigenen Experimente dazu.
* Der mir persönlich sehr wichtige nichtpsychologische Zugang zu KlientInnen, zu mir selber, der oft mit energetisch bezeichnet wird.
* Mein Ärger darüber, wie leichtsinnig WestlerInnen östliche Konzepte übernehmen, besser gesagt zu übernehmen meinen. Diese Respektlosigkeit diesen Kulturen gegenüber.
* Ich bemerkte, dass es nicht sehr sinnvoll ist, als Einzelner für eine andere Auffassung, für einen anderen Sprachgebrauch zu werben. Die persönliche Geschichte mit den Energiekonzepten, mit dem Sprachgebrauch sind zu verschieden. Wer könnte sich schon eine Definitionsmacht nehmen? Und wäre es sinnvoll, das zu tun, selbst wenn jemand diese Macht hätte? Ist nicht sowieso eher eine Diskussion, eine sachliche Auseinandersetzung um Psychotherapie, insbesondere um Körperpsychotherapie angesagt? - sicher doch. Wissenschaft sollte als Gruppenunternehmen geführt werden.

Also: große Freude, als die Gruppe zustande kam. Erster Schreck über die Verschiedenheit der Vorbildungen. Erste Not: sollen alle auf einen gemeinsamen Wissensstand? Müssen wir eine gemeinsame Erkenntnistheorie erarbeiten? Müssen wir uns - und wie genau - einig sein, was wir erreichen wollen? Und dieses schon vom Focusing-Forum (4) her bekannte leicht schwimmende Gefühl der mehrdeutigen Rolle als Initiant eines zumindest teilweise 'selbstorganisierenden' Prozesses und gleichzeitig als Teilnehmer, der nicht zuviel steuern möchte.

Wir beschließen (hab ich schon vorher beschlossen und die anderen überredet?), einen gemeinsamen Prozess zu machen, in dem wir einfach jeweils den nächsten Schritt beschließen würden. Wir riskieren die Ungewissheit des Ergebnisses, ja der Richtung. Wir wollen aber versuchen, die Vielfalt, die im EABP vorkommt, aufzusuchen, uns auch von ihr leiten zu lassen. Wir wollen versuchen, den eigenen Prozess zu protokollieren oder doch verständlich zu machen. Der Prozess soll rekursiv sein: es ist gewünscht, dass unser eigener Prozess, der durch die Arbeit entsteht, wiederum Einfluss auf die Art der Untersuchung nimmt. Wir lesen Körpertherapie-Literatur zum Thema. Wir entwerfen eine Befragung von PraktikerInnen. Wir probieren die Fragen an uns aus. Wir reden zusammen, schauen, wo es uns hinführt.

Ich bin ganz zufrieden mit den Fragen, die entstehen. Bei der Befragung in unserer eigen Gruppe bin ich erleichtert, dass keine 'hemmungslosen EsoterikerInnen' dabei sind. - Bin ich aber auch ein wenig enttäuscht darüber? Und darüber, dass schon bei uns die Ergebnisse so vielfältig (oder eher wirr?) sind? Klar wird mir, dass unsere Arbeit sehr wichtig ist für eine Klärung der Positionen der Körperpsychotherapie.
Es ist immer wieder angenehm, zusammen zu sein, zu reden, zu planen. Ich komme nicht gut klar, wie meist, mit dem Tempo, das gut wäre und der eigenen Disziplin, die ich immer wieder verliere. Ich möchte immer sofort alles aufschreiben, die Protokolle gleich erstellen und prüfen lassen, ein Anspruch an meine Arbeitshaltung. Und doch möchte ich auch aus Prozessgründen meine Launen ernst nehmen - es riskieren, dass sich Sätze wieder verlieren, dass Prozessteile versickern. Dass über 'nicht daran denken' auch Klärungen und neue Ideen entstehen können.

Sehr hilfreich war für mich das Buch: "Die soziale Konstruktion okkulter Wirklichkeit. Eine Soziologie des 'New Age'". Autor: Horst Stengerl. Es hat mir geholfen, anderen Denkrichtungen gegenüber, besser gesagt, den betreffenden Menschen gegenüber, großzügiger zu werden.

Schwierig und letztlich doch sehr befriedigend für mich waren unsere Gespräche über die Interviews. Schön, dass wir da so ähnlich empfanden, ähnliche Ideen dazu hatten. Es bestärkt mich in dem Grundsatz, dass ganz allgemein auch eine Theorie über gemeinsames wissenschaftliches Tun im psychotherapeutischen Umfeld entstehen muss.

Und diese Theorie kann natürlich nur entstehen, wenn das besagte Tun öfter stattfindet. Verschiedenen Personen müssen mit verschiedenen Themen, in verschiedenen Gruppierungen von Leuten Erfahrungen sammeln. Bei mir selber sind im Moment einige solche Erfahrungsfelder vorhanden:

 

 

  • Da ist unsere Arbeits-Gruppe
  • da sind die Gespräche bei den Interviews
  • da sind die Ausbildungsverpflichtungen im GFK
  • da sind die internen Meinungsverschiedenheiten oder zumindest Unklarheiten innerhalb des GFK
  • da ist das gemeinsame zyklische Buchprojekt von Christiane Geiser, Uli Schlünder und mir.

Das ergibt allerlei Chancen, vor allem das zunehmende Vertrauen in solche Verfahren, aber auch eine Gefahr von Vermischungen von Ebenen oder von verschiedenen Anliegen der einzelnen Unternehmungen. Ich rede, fühle und denke anders, ob ich in der Interviewsituation bin oder in der Arbeitsgruppe oder in einem Ausbildungsseminar usw. Welche Kriterien brauchen wir da, um zu entscheiden, ob solchen Prozessen mehr als rein subjektive Bedeutung zugeschrieben werden darf? Wann entwickelt sich eine Arbeitsgruppe in einem 'wissenschaftlichen' Sinn, wann entwickelt sie nur ein gemeinsames Vorurteil?
Ob unsere Gruppe das wohl hinkriegen kann, miteinander zu schreiben, zügig und speditiv zu sein?

Es wäre schön, eine Diskussion im EABP anregen zu können, wenn ein ernsthaftes Gespräch, ein gemeinsames Suchen entstehen würde. Ich glaube, das Ernstnehmen und Achten von persönlichem Erleben, das ist schon verbreitet bei den KörperpsychotherapeutInnen. Ich glaube, die 'Alleswisser' und 'Besserspürer' sind doch eher eine Minderheit. Ob das aber zu einer gemeinsamen Theoriebildung auf Grund einer gemeinsamen Praxis führen könnte?

Ohne meine Frau und Berufspartnerin Christiane Geiser wäre auch dieses Projekt kaum gegangen. Sie konnte nur im Hintergrund teilnehmen, trotzdem, die vielen Gespräche, ihre Literaturkenntnisse, nicht zuletzt ihre Deutschkenntnisse mitsamt den Kommas. Auch meinen Freund und Kollegen Uli Schlünder konnte ich immer wieder zu Hilfe rufen: Ein Mail und schwupps - die Antwort war da. Ich bedanke mich bei ihnen und hoffe, dass sie in einer eventuellen weiterführenden Arbeitsgruppe zum Thema dann auch dabei sind.

 

3. Kurzfassung des Gruppenprozesses
und der Ergebnisse

a) Ausgangslage

In den letzten Jahren ist der Druck, sich 'wissenschaftlich' zu rechtfertigen oder darzustellen, auf die Psychotherapie und damit natürlich insbesondere auch auf die Körperpsychotherapie stark gestiegen. Allerdings ist im Zusammenhang der Psychotherapie ganz und gar nicht gesagt, was denn 'wissenschaftlich' heißen könnte. Werden die Methoden und Theorien der Psychotherapie selber wissenschaftlich entwickelt oder sollen bloß ihre Methoden wissenschaftlich beforscht werden?
Der EABP-CH hatte das Bedürfnis, in dieser Diskussion mitzureden, vielleicht sogar eigene Beiträge zu leisten. In erster Linie wurde dabei an eine sogenannte WZW-Forschung (Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit) gedacht. Das heißt in der Praxis, dass irgendwelche TherapeutInnen mit ihren gegenwärtigen oder vergangenen KlientInnen mittels irgendwelcher Fragebogen statistisch untersucht werden. Daneben sind natürlich auch Einzelfalldarstellungen möglich, die aber den Nachteil haben, dass sie eigentlich nur für Personen, die der jeweiligen Methode wohlwollend gegenüberstehen, eine Aussagekraft oder gar Überzeugungskraft für Wirksamkeit haben. Die neuere, sogenannte Prozessforschung, ist meiner Meinung nach vom Ansatz her ganz interessant, hat aber meines Wissens bisher noch kaum Resultate hervorgebracht (5). Es bleibt bisher im großen Ganzen für 'WZW' bei den Fragebogen.

Angesichts dieser Situation möchte ich anmerken:
1. Vielen KollegInnen, auch mir als ehemaligem Mathematiker, bleibt die Aussagekraft dieser Untersuchungen suspekt. Zumindest scheint, was das wissenschaftliche Ergebnis betrifft, kein gutes Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Natürlich stellt sich die Sache anders dar, wenn in erster Linie an Werbung oder Argumentbeschaffung gedacht wird. (6)
2. Trotzdem erscheint das Interesse der Gesellschaft, auch der PsychotherapeutInnen selber, sich genauer, also auch wissenschaftlich, zu hinterfragen, durchaus berechtigt oder sogar notwendig. Zuviel in der Psychotherapie ist bloße Meinung, manchmal sogar 'schummrig', begrifflich unklar, 'sekten-verdächtig'.
3. Es ist bisher schwierig zu fassen, ob die Psychotherapie in ihrem theoretischen Hintergrund überhaupt irgendwie ein einheitliches 'Wesen' (7) hat. Erste Ansätze in der Schweiz, wie sie verdienstvollerweise von der Charta unternommen werden, stecken inhaltlich noch absolut in den Kinderschuhen.
4. Ein Gebiet, das bezüglich des 2. und 3. obigen Punktes besonders eklatant ins Auge sticht, ist die 'Energie-Frage' der Körperpsychotherapie (8). Was meinen KörperpsychotherapeutInnen, wenn sie von Energie reden? Gibt es da innerhalb der Schulen eine Übereinsstimmung, gibt es sie sogar Über die Schulen hinaus?
5. Der sprachliche Umgang mit dem Begriff Energie und seinen Abkömmlingen wie energetisch macht die Körpertherapie als wissenschaftlich ernst zu nehmende Methode speziell verdächtig. Sie macht sich da noch schummriger als die Psychotherapie Überhaupt.
6. Es erschien mir also damals, so wie heute immer noch, als eigentliche Vorbedingung für weitergehende Untersuchungen, die die Körperpsychotherapie als Ganzes miteinander leisten könnte, dass unter den KollegInnen Begriffsbedeutungen und Gemeinsamkeiten oder Differenzen zu wichtigen Themen untersucht werden. Ein erstes Beispiel einer solchen Fragestellung könnte eben der Begriff Energie in der Psychotherapie sein. Wenn wir etwas 'Gemeinsames' untersuchen, ohne geklärt zu haben, was wir denn mit wichtigen Grundlagen meinen, ob da überhaupt Übereinstimmung ist oder nicht, dann bestätigen wir ja geradezu den Vorwurf der Unseriosität. Mir persönlich kommt vor, dass wir uns da geradezu lächerlich machen könnten.

b) Zusammenfassung der Prozessschritte
der Arbeitsgruppe

Ich sprach 1995 einige KollegInnen innerhalb des EABP auf diese Problematik an. Es bestand damals kurzzeitig auch eine 'EABP-Wissenschaftsgruppe', in der ich Teilnehmer war. Diese Gruppe differierte in ihren Ansichten Über Wissenschaftlichkeit so sehr, dass sie sich selber auflösen musste. Insbesondere ergab sich gar keine Begeisterung für ein Projekt, wie es mir mit der 'Energieuntersuchung' vorschwebte. Die Generalversammlung des EABP-CH beschloss angesichts der Uneinheitlichkeit der Auffassungen konsequenterweise, dass verschiedene Wissenschaftsprojekte beim Vorstand eingereicht werden könnten. Ich fand eine Gruppe von einem halben Dutzend KollegInnen, die bereit war, ein Projekt, wie ich es oben angedeutet habe, zu verfolgen.
Wir einigten uns auf ein erstes Teilthema, die Energievorstellungen und der Energiebegriff in der Körperpsychotherapie, besser gesagt, bei den KörperpsychotherapeutInnen. Wir wollten also nicht die therapeutische Praxis, das Handeln nach Außen, zu den Klientinnen untersuchen, sondern das Konzeptuelle, das Sprachliche, das Handeln nach innen im Nachdenken und in den Vorstellungen, was denn 'Energie' sei. Uns interessierten auch weniger 'offizielle' Ansichten als vielmehr die persönlichen von den betroffenen und tätigen TherapeutInnen.
Um doch einen Eindruck aus der Literatur der Körperpsychotherapie nach Reich zu erhalten, wollten wir uns auch einen diesbezüglichen Überblick verschaffen. Wir lasen also einiges und durchsuchten die Bücher oder Aufsätze in erster Linie nach dem vertretenen Energiebegriff. Wir beschlossen, unsere Zusammenfassungen den interessierten KollegInnen in einem Anhang ebenfalls zur Verfügung zu stellen. Wir sind uns bewusst, dass wir in den meisten Fällen nicht die ganzen Bücher besprochen haben, sondern eben nur den uns interessierenden Aspekt. Es war für uns erklärterweise nur die erste Fragestellung in dieser Art.
Ein zweites Thema war und ist für uns die 'Beziehung in der Körperpsychotherapie' (9). Wir finden dieses zweite Thema nach wie vor wichtig, nur hat sich das erste als sehr ergiebig erwiesen, so dass wir bereits dieses erste Thema in zwei Teile getrennt haben. Den ersten Teil wollen wir mit diesem Bericht vorstellen. Der Bericht soll sowohl die Ergebnisse unserer Untersuchung als auch den Entstehungsprozess vorstellen. Wir wollen dann Vorschläge machen, wie wir innerhalb des EABP in dieser ersten Frage, eben dem Energiebegriff, weitergehen könnten. Es soll also ganz klar keine Gefällikeitsuntersuchung sein, die für die Körperpsychotherapie gute Ergebnisse zu liefern hätte. Wir wollen eine möglichst ehrliche Bestandesaufnahme machen.

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Anmerkungen und Fussnoten

*Autor dieses Beitrags: Ernst Juchli MitarbeiterInnen der Arbeitsgruppe: Jeannette Andermatt, Marga Moser, Monica Rümbeli, Bernhard Villiger, Jules Zwimpfer

**Die Arbeitsgruppe versendet diesen ersten Teil auf Anfrage gratis an Interessierte. Automatisch erhalten ihn alle CH-EABP MitgliederInnen. Wer den Gesamttext lesen möchte, kann ihn gegen Rechnung von Fr. 30.- plus Porto bei folgender Adresse anfordern.
Adresse: Sekretariat EABP-CH
Baumgartenstr. 65
CH-5608 Stetten
Tel.056 496 35 71
Fax: 056 496 35 76
e-mail: j.zwimpfer@bluewin.ch

(1) Dies ist das Lieblingskriterium für die Qualität einer Theoriebildung in der Psychotherapie von unserem Arbeitsgruppenmitglied Jules Zwimpfer.

(2) Für die glücklichen KollegInnen, die damit (noch?) nicht zu tun haben: WZW = Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit.

(3) GFK ist das Ausbildungsinstitut, dem ich selber angehöre. GFK = Gespräch, Focusing, Körper. Wir vertreten eine klientenzentrierte Körperpsychotherapie und versuchen damit, in einer Grundhaltung, die auf Rogers zurückgeht, die therapeutische Beziehung auch körperlich zu gestalten. Wir verwenden also durchaus Ideen und Techniken, die auf Reich zurückgehen oder in seiner Tradition entstanden sind. Wir mussten die Theorie und Praxis des Körpergeschehens in der Psychotherapie aus der Psychoanalyse heraustrennen, um die Verträglichkeit mit der Klientenzentrierten Theoriebildung herzustellen. Notwendigerweise sind wir dabei immer wieder gezwungen worden, Begriffe genau zu überprüfen.

(4) Focusing ist eine Methode und eine Theorie für die Psychotherapie und die Forschung. Sie wurde begründet von Gene Gendlin. Jeden Sommer veranstaltet das Focusing-Netzwerk, ein Zusammenschluss von Focusing-Interessierten im deutschsprachigen Raum, eine Forschungs- und Weiterbildungsveranstaltung. Wesentliches Werkzeug der Forschung ist dort seit Jahren das Focusing-Forum, in dem zwischen zehn und zwanzig Personen in rekursiven Austauschprozessen Neues erarbeiten.

(5) Siehe als Beispiel etwa Schiepek et al. Die Mikroanalyse der Therapeut-Klient-Interaktion mittels Sequentieller Plananalyse. (Psychotherapie Forum Vol. 3, No. 1 und 2, 1995)

(6) So sind aus diesen Gründen die "Consumer-Report"-Ergebnisse zu begrüßen. Den interessierten PsychotherapeutInnen liefern sie aber nichts Neues. Die Ergebnisse sind von unserem Standpunkt her trivial. (Seligman, Martin E.P.: Effectivness of Psychotherapy. The Consumer Reports Study, in : American Psychologist 50 (12), 965 - 974, 1995)

(7) Ich sage absichtlich 'Wesen', da es mir erscheint, dass kaum eine einheitliche Hintergrundtheorie vorhanden ist. Sie wird zwar ein Stück weit etwa durch die Charta proklamiert. Die Arbeit ist aber nicht geleistet, inwiefern sie tatsächlich da ist. Trotz dieses Mankos kommt mir vor, es sei etwas Gemeinsames schon vorhanden. Nur, was ist es?

(8) Es scheint, dass diese Frage sogar ein wesentliches Element spielt in der Nichtanerkennung der Körperpsychotherapie in Österreich. Siehe Schmid, Peter: agp kontakte 3/96 körper-orientiert oder person-orientiert?

(9) Die Körperpsychotherapie ist mehrfach verwurzelt. Eine wichtige Wurzel in vielen Schulen ist die Psychoanalyse, eine andere besteht in östlichen 'Wegen', eine dritte ist die humanistische Psychotherapie, insbesondere die klientenzentrierte oder die Gestalt. Entsprechend ergeben sich mindestens 'Übertragungs-beziehungen', 'Guru-Beziehungen', 'klientenzentrierte' Beziehungen. Es ist zu befürchten, dass auch hier ein Kuddel-Muddel besteht.

 

 

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