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Energiearbeitsgruppe
des EABP-CH / Der Energiebegriff in der Körperpsychotherapie* 1. Leseanleitung 1. Über die vorliegende Arbeit: Lesehinweise** Die ganze Arbeit über den Energiebegriff in der Körperpsychotherapie enthält zuerst einen zusammen-fassenden Teil (A). In ihm werden die Hauptzüge der Arbeit in einer gekürzten Fassung dargestellt. Es werden darin unser Vorgehen in Phasen, unser Gruppenprozess und die Ergebnisse beschrieben. Die Kurzbeschreibung der Phasen ergibt gleichzeitig den roten Faden durch die Gesamtarbeit. Der Hauptteil (B) beginnt immer mit der Kurzbeschreibung der entsprechenden Phase. Wer von vorne mit Lesen begonnen hat, hat diesen Text also schon einmal gesehen. Damit man ihn leicht überschlagen kann, ist er kenntlich gemacht durch eine andere Schrift. Zusätzlich ist dann jeweils ein detaillierterer Text, zum Teil mit Zitaten aus unseren Protokollen und Arbeitsblättern, vorhanden. Diese Zitate und die Ausschnitte aus den gemachten Interviews sind je immer in der gleichen Schrift gehalten. Sie unterscheiden sich von der Schrift der erläuternden oder kommentierenden Texte. Die Gesamtarbeit enthält in ihrem letzten Teil (C) die Sichtung einiger Fachliteratur aus der Körperpsychotherapie durch Mitglieder der Arbeitsgruppe. Diese Texte wurden vor allem durchgesehen in Hinblick auf ihren Energiebegriff. Es sind also meist keine umfassenden Buchbeschreibungen. Sie sind in ihrer Form auch nicht einheitlich gestaltet und sie sind subjektiv. Die AutorInnen der Beschreibungen hatten nur ausgemacht, auf das Arbeitsthema, eben den Energiebegriff, zu achten. In den Interviews verwende ich die drei Punkte <...>
in zwei verschiedenen Bedeutungen: Kommen die drei Punkte innerhalb eines
Satzes vor, sollen sie eine längere Denk- und Sprechpause anzeigen.
Falls sie in einer eigenen Linie sind, bedeuten sie, dass dort Text ausgelassen
wurde.
2. Vorwort a) der Arbeitsgruppe Wir möchten uns vor allem bei den KollegInnen
bedanken, die sich für die Interviews zur Verfügung gestellt
haben. Ohne sie wäre unsere Arbeit nicht möglich gewesen. Sie
kriegten von uns, außer einer Stunde Aufmerksamkeit, gar nichts.
Jetzt in dem Text haben sie noch nicht mal die Chance, sich zu erklären
oder zu wehren und werden von uns ja noch häufig 'missbraucht', um
ein unserer Meinung nach bestehendes Ungenügen in der Körperpsychotherapie
zu illustrieren. Es ist uns bewusst, dass das eine äußerst
undankbare Rolle ist. Sicher kommt öfters nicht das ganze Denken
der KollegInnen zum Ausdruck. Wenn sie so lange Zeit gehabt hätten
wie wir, sich mit dem Thema zu befassen, dann hätten sicher alle
gekonnter formuliert. Es ging uns aber um die Momentaufnahme vom Alltagsdenken,
und zur Entschuldigung können wir anbringen, dass wir selber uns
auch den Interviews gestellt haben - und - wir selber passen durchaus
ins Bild. Den Interviewten gehört unser spezieller Dank.
Gegen Ende der gemeinsamen Arbeit fand ein Arbeitstag
statt. Ich habe den größeren Teil dieses Textes darauf hin
geschrieben, allerdings nicht in der Absicht, ihn als Vorwort zu verwenden.
Ich nahm damals die Gelegenheit war, einen persönlichen Rückblick
zu machen. Da ich jetzt diesen Schlussbericht verfasse, und weil mein
Anteil in dieser Arbeitsgruppe doch relativ groß war, finde ich
es wichtig, durchschaubar zu werden. Ich möchte also zum Zweck der
Transparenz offen legen, wie ich selber in dieser Thematik drinstehe. * Dieser ständige Ruf nach WZW-Forschung (2).
Mein Unbehagen wegen der fast notwendigerweise auftretenden Unsauberkeit
bis Unmöglichkeit solcher Forschung für Psychotherapie. Trotzdem
musste ich eine Berechtigung von Forschung bezüglich der Seriosität
von Körperpsychotherapie anerkennen. Zuviel erschien mir selber schummrig,
bei zuviel hatte ich oft selber Mühe. Wenn ich mit KollegInnen anderer
Richtung über 'Körperpsychotherapie' spreche, muss ich oft sagen,
'ich meine ...' oder 'wir im GFK (3) meinen ...'. Ich merkte, dass ich
gerade in der Energie-Frage keinerlei Solidarität zur Körperpsychotherapie
als allgemeine Richtung hatte. Ich hatte Bedenken, in ein banales oder
dummes, oder "New Age" Lager geschoben zu werden. Und daraus
entstand immer wieder die Frage, wie wir im EABP gemeinsam etwas vertreten
sollten, wenn wir gar nicht Vertrauen ineinander hätten? Oder war
das eventuell nur mein Problem? Also: große Freude, als die Gruppe zustande kam. Erster Schreck über die Verschiedenheit der Vorbildungen. Erste Not: sollen alle auf einen gemeinsamen Wissensstand? Müssen wir eine gemeinsame Erkenntnistheorie erarbeiten? Müssen wir uns - und wie genau - einig sein, was wir erreichen wollen? Und dieses schon vom Focusing-Forum (4) her bekannte leicht schwimmende Gefühl der mehrdeutigen Rolle als Initiant eines zumindest teilweise 'selbstorganisierenden' Prozesses und gleichzeitig als Teilnehmer, der nicht zuviel steuern möchte. Wir beschließen (hab ich schon vorher beschlossen und die anderen überredet?), einen gemeinsamen Prozess zu machen, in dem wir einfach jeweils den nächsten Schritt beschließen würden. Wir riskieren die Ungewissheit des Ergebnisses, ja der Richtung. Wir wollen aber versuchen, die Vielfalt, die im EABP vorkommt, aufzusuchen, uns auch von ihr leiten zu lassen. Wir wollen versuchen, den eigenen Prozess zu protokollieren oder doch verständlich zu machen. Der Prozess soll rekursiv sein: es ist gewünscht, dass unser eigener Prozess, der durch die Arbeit entsteht, wiederum Einfluss auf die Art der Untersuchung nimmt. Wir lesen Körpertherapie-Literatur zum Thema. Wir entwerfen eine Befragung von PraktikerInnen. Wir probieren die Fragen an uns aus. Wir reden zusammen, schauen, wo es uns hinführt. Ich bin ganz zufrieden mit den Fragen, die entstehen.
Bei der Befragung in unserer eigen Gruppe bin ich erleichtert, dass keine
'hemmungslosen EsoterikerInnen' dabei sind. - Bin ich aber auch ein wenig
enttäuscht darüber? Und darüber, dass schon bei uns die
Ergebnisse so vielfältig (oder eher wirr?) sind? Klar wird mir, dass
unsere Arbeit sehr wichtig ist für eine Klärung der Positionen
der Körperpsychotherapie. Sehr hilfreich war für mich das Buch: "Die soziale Konstruktion okkulter Wirklichkeit. Eine Soziologie des 'New Age'". Autor: Horst Stengerl. Es hat mir geholfen, anderen Denkrichtungen gegenüber, besser gesagt, den betreffenden Menschen gegenüber, großzügiger zu werden. Schwierig und letztlich doch sehr befriedigend für mich waren unsere Gespräche über die Interviews. Schön, dass wir da so ähnlich empfanden, ähnliche Ideen dazu hatten. Es bestärkt mich in dem Grundsatz, dass ganz allgemein auch eine Theorie über gemeinsames wissenschaftliches Tun im psychotherapeutischen Umfeld entstehen muss. Und diese Theorie kann natürlich nur entstehen,
wenn das besagte Tun öfter stattfindet. Verschiedenen Personen müssen
mit verschiedenen Themen, in verschiedenen Gruppierungen von Leuten Erfahrungen
sammeln. Bei mir selber sind im Moment einige solche Erfahrungsfelder
vorhanden: |
Das ergibt allerlei Chancen, vor allem das zunehmende
Vertrauen in solche Verfahren, aber auch eine Gefahr von Vermischungen
von Ebenen oder von verschiedenen Anliegen der einzelnen Unternehmungen.
Ich rede, fühle und denke anders, ob ich in der Interviewsituation
bin oder in der Arbeitsgruppe oder in einem Ausbildungsseminar usw. Welche
Kriterien brauchen wir da, um zu entscheiden, ob solchen Prozessen mehr
als rein subjektive Bedeutung zugeschrieben werden darf? Wann entwickelt
sich eine Arbeitsgruppe in einem 'wissenschaftlichen' Sinn, wann entwickelt
sie nur ein gemeinsames Vorurteil? Es wäre schön, eine Diskussion im EABP anregen zu können, wenn ein ernsthaftes Gespräch, ein gemeinsames Suchen entstehen würde. Ich glaube, das Ernstnehmen und Achten von persönlichem Erleben, das ist schon verbreitet bei den KörperpsychotherapeutInnen. Ich glaube, die 'Alleswisser' und 'Besserspürer' sind doch eher eine Minderheit. Ob das aber zu einer gemeinsamen Theoriebildung auf Grund einer gemeinsamen Praxis führen könnte? Ohne meine Frau und Berufspartnerin Christiane Geiser wäre auch dieses Projekt kaum gegangen. Sie konnte nur im Hintergrund teilnehmen, trotzdem, die vielen Gespräche, ihre Literaturkenntnisse, nicht zuletzt ihre Deutschkenntnisse mitsamt den Kommas. Auch meinen Freund und Kollegen Uli Schlünder konnte ich immer wieder zu Hilfe rufen: Ein Mail und schwupps - die Antwort war da. Ich bedanke mich bei ihnen und hoffe, dass sie in einer eventuellen weiterführenden Arbeitsgruppe zum Thema dann auch dabei sind.
3. Kurzfassung des Gruppenprozesses a) Ausgangslage In den letzten Jahren ist der Druck, sich 'wissenschaftlich'
zu rechtfertigen oder darzustellen, auf die Psychotherapie und damit natürlich
insbesondere auch auf die Körperpsychotherapie stark gestiegen. Allerdings
ist im Zusammenhang der Psychotherapie ganz und gar nicht gesagt, was
denn 'wissenschaftlich' heißen könnte. Werden die Methoden
und Theorien der Psychotherapie selber wissenschaftlich entwickelt oder
sollen bloß ihre Methoden wissenschaftlich beforscht werden? Angesichts dieser Situation möchte ich anmerken: b) Zusammenfassung der Prozessschritte Ich sprach 1995 einige KollegInnen innerhalb des EABP
auf diese Problematik an. Es bestand damals kurzzeitig auch eine 'EABP-Wissenschaftsgruppe',
in der ich Teilnehmer war. Diese Gruppe differierte in ihren Ansichten
Über Wissenschaftlichkeit so sehr, dass sie sich selber auflösen
musste. Insbesondere ergab sich gar keine Begeisterung für ein Projekt,
wie es mir mit der 'Energieuntersuchung' vorschwebte. Die Generalversammlung
des EABP-CH beschloss angesichts der Uneinheitlichkeit der Auffassungen
konsequenterweise, dass verschiedene Wissenschaftsprojekte beim Vorstand
eingereicht werden könnten. Ich fand eine Gruppe von einem halben
Dutzend KollegInnen, die bereit war, ein Projekt, wie ich es oben angedeutet
habe, zu verfolgen.
Anmerkungen und Fussnoten *Autor dieses Beitrags: Ernst Juchli MitarbeiterInnen der Arbeitsgruppe: Jeannette Andermatt, Marga Moser, Monica Rümbeli, Bernhard Villiger, Jules Zwimpfer **Die Arbeitsgruppe versendet diesen ersten Teil auf
Anfrage gratis an Interessierte. Automatisch erhalten ihn alle CH-EABP
MitgliederInnen. Wer den Gesamttext lesen möchte, kann ihn gegen
Rechnung von Fr. 30.- plus Porto bei folgender Adresse anfordern.
(1) Dies ist das Lieblingskriterium für die Qualität einer Theoriebildung in der Psychotherapie von unserem Arbeitsgruppenmitglied Jules Zwimpfer.
(2) Für die glücklichen KollegInnen, die damit (noch?) nicht zu tun haben: WZW = Wirksamkeit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit.
(3) GFK ist das Ausbildungsinstitut, dem ich selber angehöre. GFK = Gespräch, Focusing, Körper. Wir vertreten eine klientenzentrierte Körperpsychotherapie und versuchen damit, in einer Grundhaltung, die auf Rogers zurückgeht, die therapeutische Beziehung auch körperlich zu gestalten. Wir verwenden also durchaus Ideen und Techniken, die auf Reich zurückgehen oder in seiner Tradition entstanden sind. Wir mussten die Theorie und Praxis des Körpergeschehens in der Psychotherapie aus der Psychoanalyse heraustrennen, um die Verträglichkeit mit der Klientenzentrierten Theoriebildung herzustellen. Notwendigerweise sind wir dabei immer wieder gezwungen worden, Begriffe genau zu überprüfen.
(4) Focusing ist eine Methode und eine Theorie für die Psychotherapie und die Forschung. Sie wurde begründet von Gene Gendlin. Jeden Sommer veranstaltet das Focusing-Netzwerk, ein Zusammenschluss von Focusing-Interessierten im deutschsprachigen Raum, eine Forschungs- und Weiterbildungsveranstaltung. Wesentliches Werkzeug der Forschung ist dort seit Jahren das Focusing-Forum, in dem zwischen zehn und zwanzig Personen in rekursiven Austauschprozessen Neues erarbeiten. (5) Siehe als Beispiel etwa Schiepek et al. Die Mikroanalyse der Therapeut-Klient-Interaktion mittels Sequentieller Plananalyse. (Psychotherapie Forum Vol. 3, No. 1 und 2, 1995) (6) So sind aus diesen Gründen die "Consumer-Report"-Ergebnisse zu begrüßen. Den interessierten PsychotherapeutInnen liefern sie aber nichts Neues. Die Ergebnisse sind von unserem Standpunkt her trivial. (Seligman, Martin E.P.: Effectivness of Psychotherapy. The Consumer Reports Study, in : American Psychologist 50 (12), 965 - 974, 1995) (7) Ich sage absichtlich 'Wesen', da es mir erscheint, dass kaum eine einheitliche Hintergrundtheorie vorhanden ist. Sie wird zwar ein Stück weit etwa durch die Charta proklamiert. Die Arbeit ist aber nicht geleistet, inwiefern sie tatsächlich da ist. Trotz dieses Mankos kommt mir vor, es sei etwas Gemeinsames schon vorhanden. Nur, was ist es? (8) Es scheint, dass diese Frage sogar ein wesentliches Element spielt in der Nichtanerkennung der Körperpsychotherapie in Österreich. Siehe Schmid, Peter: agp kontakte 3/96 körper-orientiert oder person-orientiert?
(9) Die Körperpsychotherapie ist mehrfach verwurzelt. Eine wichtige Wurzel in vielen Schulen ist die Psychoanalyse, eine andere besteht in östlichen 'Wegen', eine dritte ist die humanistische Psychotherapie, insbesondere die klientenzentrierte oder die Gestalt. Entsprechend ergeben sich mindestens 'Übertragungs-beziehungen', 'Guru-Beziehungen', 'klientenzentrierte' Beziehungen. Es ist zu befürchten, dass auch hier ein Kuddel-Muddel besteht.
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